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Wenn man sich als Europäer fühlt

Hanni • 10. März 2023

Australien - kulturelle Unterschiede eines Kontinents


Früher hätte ich gesagt, dass man sich dann als Europäer fühlt, wenn man grenzenlos in andere Länder mit anderen Sprachen fahren kann, die jeweilige Landesküche genießt, man sich tolerant und weltoffen fühlt.


Jetzt würde ich sagen: Man ist Europäer, wenn man merkt, dass die Geschichte Europas tausende Jahre alt ist, auf griechisch-römischer Philosophie aufbaut mit christlicher Historie und vielen weiteren, multikulturellen Einflüssen über Jahrhunderte. Das drückt sich aus in verschiedenen Sprachen, in verschiedenen Staaten mit sich deutlich unterscheidenden Kulturen, in unzähligen Baustilen und historischen Gebäuden, gewachsenen Städten, im positivsten Fall in einem Gespür für bereichernde Unterschiede, in inhaltlich und von der Machart differierenden Kulturbetrieben und -aufführungen. Im schlechtesten Fall entstehen Ausländerhass, Überheblichkeit, Nationalismus und die Ablehnung von Innovationen zur Bewahrung der Tradition.


Australien ist anders - in jeglicher Hinsicht. Es ist kein einzelnes Land mit einer durchgängigen Kultur. Es ist ein Kontinent, der seine alte, altehrwürdige Kultur (die es ohne Zweifel in beeindruckender Weise gab) gezielt vernichtet hat und das heute ohne eine aufgebaute Kultur als Einwandererland mit unzähligen Lebensweisen aufwartet. Insofern Kultur etwas mit Geschichte zu tun hat, ist Australien kulturlos - mit Ausnahme von Museen mit Aborigene-Bezug und den dezent wachsenden Kunstgalerien mit faszinierendem Dotpainting der Ureinwohner.


Ansonsten lebt man in Australien einfach so, wie man möchte. Kaum Traditionen - ein mächtiges Weihnachtsessen funktioniert einfach nicht bei 40 Grad, kaum Familiengeschichte, keine Denkmäler vor 1918, junge Freikirchen statt römisch-katholischen Stein-Kathedralen, Pappadeckel-Bauten (so nennt Tobi sie) statt soliden, mehrstöckigen Familienhäusern, aber auch ultramoderne Wolkenkratzer am Strand, ein modernes Nahverkehrssystem, bei dem man nur seine Kreditkarte beim Ein- und Aussteigen nutzen muss, multikulturelle Restaurants, Stadtviertel, Beziehungen - es ist egal, wo man herkommt, solange man hart arbeitet und/oder Englisch lernt. Ganz viel Natur, Sport, Alkohol - ganz viel Unverbindlichkeit ("Ach, irgendwann fährt euch schon jemand in die Stadt"), sehr viel britisches Erbe (Tee, Sprache, Staatsoberhaupt, Clubs, aber für jedermann/frau) und je mehr man nach Süden kommt, umso mehr moderne, anspruchsvolle Unterhaltung in Oper (geht auch mit Flip Flops), Street Art, Museen und designten Häusern (nördlich herrscht Wellblech vor).


Manchmal wirkt das Leben sehr viel freier in Australien - jeder kann überall leben, wie und wo er möchte. Es stehen keine festgefahrenen Traditionen, Herkunftsgrenzen oder Erwartungen im Weg. Manchmal macht es das Leben aber auch ein wenig ärmer, finde ich. Die Städte sind vor allem funktionell und nicht schön, das Essen ist überall so unterschiedlich, dass es im Grunde überall gleich ist. Und manchmal ist uns auch ein gewisser Starrsinn auf Farmen aufgefallen, dass man nicht von den anderen lernen will, sondern nur auf dem eigenen Lösungsweg pocht, den man sich nach selfmademan/women-Art ausgedacht hat. Auf unserer Blaubeerfarm hingegen haben wir uns wie zu Hause gefühlt - in Gesprächen über Weltgeschichte und anerkennend für alle bereichernden Unterschiede.


Am Ende sind es immer und im jeden Land die einzelnen Menschen, die ein Land ausmachen. Und die Australier haben uns alle mit offenen Armen empfangen - mit viel Interesse, keiner Beurteilung unserer Pläne oder höchstens mit Bestärkung, alle Farm-Gastgeber haben uns als Wildfremden ihre Türen geöffnet, uns bekocht und von ihrem Land vorgeschwärmt, das wir in aller Ausführlichkeit versucht haben, kennenzulernen!


Tatsächlich fällt es im Nachhinein nicht leicht ein Fazit über diesen Kontinent zu schreiben. Er ist zu groß und zu vielfältig in seinen Lebensräumen und Lebensweisen, als dass wir nach drei Monaten ein einheitliches Bild zeichnen könnten. Vielleicht ist dies das Typische an Australien: es ist einfach nicht zu fassen. Am eindrücklichsten haben wir das am Ayers Rock erlebt. Eine völlig lebensfeindliche Gegend mit drückender Hitze und Schwärmen von Fliegen, aber dennoch so eine berückende Schönheit, dass man stundenlang fasziniert die Naturphänomene betrachten will.


Ps: Die Fotos sind Schnappschüsse aus zweieinhalb Monaten Australien - die wunderschönsten Aufnahmen zu den einzelnen Themen findet ihr bei den jeweiligen Blogartikeln!

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