Früher hätte ich gesagt, dass man sich dann als Europäer fühlt, wenn man grenzenlos in andere Länder mit anderen Sprachen fahren kann, die jeweilige Landesküche genießt, man sich tolerant und weltoffen fühlt.
Jetzt würde ich sagen: Man ist Europäer, wenn man merkt, dass die Geschichte Europas tausende Jahre alt ist, auf griechisch-römischer Philosophie aufbaut mit christlicher Historie und vielen weiteren, multikulturellen Einflüssen über Jahrhunderte. Das drückt sich aus in verschiedenen Sprachen, in verschiedenen Staaten mit sich deutlich unterscheidenden Kulturen, in unzähligen Baustilen und historischen Gebäuden, gewachsenen Städten, im positivsten Fall in einem Gespür für bereichernde Unterschiede, in inhaltlich und von der Machart differierenden Kulturbetrieben und -aufführungen. Im schlechtesten Fall entstehen Ausländerhass, Überheblichkeit, Nationalismus und die Ablehnung von Innovationen zur Bewahrung der Tradition.
Australien ist anders - in jeglicher Hinsicht. Es ist kein einzelnes Land mit einer durchgängigen Kultur. Es ist ein Kontinent, der seine alte, altehrwürdige Kultur (die es ohne Zweifel in beeindruckender Weise gab) gezielt vernichtet hat und das heute ohne eine aufgebaute Kultur als Einwandererland mit unzähligen Lebensweisen aufwartet. Insofern Kultur etwas mit Geschichte zu tun hat, ist Australien kulturlos - mit Ausnahme von Museen mit Aborigene-Bezug und den dezent wachsenden Kunstgalerien mit faszinierendem Dotpainting der Ureinwohner.
Ansonsten lebt man in Australien einfach so, wie man möchte. Kaum Traditionen - ein mächtiges Weihnachtsessen funktioniert einfach nicht bei 40 Grad, kaum Familiengeschichte, keine Denkmäler vor 1918, junge Freikirchen statt römisch-katholischen Stein-Kathedralen, Pappadeckel-Bauten (so nennt Tobi sie) statt soliden, mehrstöckigen Familienhäusern, aber auch ultramoderne Wolkenkratzer am Strand, ein modernes Nahverkehrssystem, bei dem man nur seine Kreditkarte beim Ein- und Aussteigen nutzen muss, multikulturelle Restaurants, Stadtviertel, Beziehungen - es ist egal, wo man herkommt, solange man hart arbeitet und/oder Englisch lernt. Ganz viel Natur, Sport, Alkohol - ganz viel Unverbindlichkeit ("Ach, irgendwann fährt euch schon jemand in die Stadt"), sehr viel britisches Erbe (Tee, Sprache, Staatsoberhaupt, Clubs, aber für jedermann/frau) und je mehr man nach Süden kommt, umso mehr moderne, anspruchsvolle Unterhaltung in Oper (geht auch mit Flip Flops), Street Art, Museen und designten Häusern (nördlich herrscht Wellblech vor).
Manchmal wirkt das Leben sehr viel freier in Australien - jeder kann überall leben, wie und wo er möchte. Es stehen keine festgefahrenen Traditionen, Herkunftsgrenzen oder Erwartungen im Weg. Manchmal macht es das Leben aber auch ein wenig ärmer, finde ich. Die Städte sind vor allem funktionell und nicht schön, das Essen ist überall so unterschiedlich, dass es im Grunde überall gleich ist. Und manchmal ist uns auch ein gewisser Starrsinn auf Farmen aufgefallen, dass man nicht von den anderen lernen will, sondern nur auf dem eigenen Lösungsweg pocht, den man sich nach selfmademan/women-Art ausgedacht hat. Auf unserer Blaubeerfarm hingegen haben wir uns wie zu Hause gefühlt - in Gesprächen über Weltgeschichte und anerkennend für alle bereichernden Unterschiede.
Am Ende sind es immer und im jeden Land die einzelnen Menschen, die ein Land ausmachen. Und die Australier haben uns alle mit offenen Armen empfangen - mit viel Interesse, keiner Beurteilung unserer Pläne oder höchstens mit Bestärkung, alle Farm-Gastgeber haben uns als Wildfremden ihre Türen geöffnet, uns bekocht und von ihrem Land vorgeschwärmt, das wir in aller Ausführlichkeit versucht haben, kennenzulernen!
Tatsächlich fällt es im Nachhinein nicht leicht ein Fazit über diesen Kontinent zu schreiben. Er ist zu groß und zu vielfältig in seinen Lebensräumen und Lebensweisen, als dass wir nach drei Monaten ein einheitliches Bild zeichnen könnten. Vielleicht ist dies das Typische an Australien: es ist einfach nicht zu fassen. Am eindrücklichsten haben wir das am Ayers Rock erlebt. Eine völlig lebensfeindliche Gegend mit drückender Hitze und Schwärmen von Fliegen, aber dennoch so eine berückende Schönheit, dass man stundenlang fasziniert die Naturphänomene betrachten will.
Ps: Die Fotos sind Schnappschüsse aus zweieinhalb Monaten Australien - die wunderschönsten Aufnahmen zu den einzelnen Themen findet ihr bei den jeweiligen Blogartikeln!
WIR SUCHEN EINEN HOF
In aller Kürze
1. 4-10 Hektar landwirtschaftliche Flächen mit kleinem Haus gesucht
2. in Oberbayern oder der Bretagne
3. Wir sind ein motiviertes, hart arbeitendes und gut gelauntes bayerisches Paar.
Was wir suchen
Wir suchen möglichst zusammenhängende landwirtschaftliche Flächen, circa 4 bis 10 Hektar mit einem kleinen Wohngebäude oder der Möglichkeit ein kleines Haus zu bauen. Weitere Schuppen, Geräte etc. sind sehr willkommen.
Gemüse- und Obstanbau, Imkerei und Kleintierhaltung wäre unsere Vorstellung, Hannis zukünftige Pferdekoppel nicht zu vergessen.
Für uns ist nur ökologischer Landbau als Bewirtschaftungspraxis denkbar – ein Hof in Umstellung, oder einen Hof, den man umstellen kann, wären aber ebenfalls super.
Wer wir sind
Wir sind ein junges Paar Anfang dreißig auf der Suche nach einem Bio-Hof, den wir in Zukunft bewirtschaften wollen. Tobi ist von Hauptberuf Seelsorger und hat, neben mehreren Almsommern, bereits das Bildungsprogramm Landwirt erfolgreich absolviert. Hanni war in den letzten Jahren Geschäftsführerin des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und beschäftigt sich seit langer Zeit mit Landwirtschaft & Umweltschutz. Zusammen haben wir 2022 die Halsalm im Nationalpark Berchtesgaden mit Milchkühen, Jungtieren, eigener kleiner Käserei und Almausschank bewirtschaftet. Derzeit sind wir weltweit unterwegs und lernen auf Biohöfen mehr über die praktische Landwirtschaft – von der Arbeit mit der Motorsäge bis zur Blaubeerernte.
Die Freude, eigenes Gemüse/Obst anzubauen, mit Tieren zu leben und täglich in der Natur zu sein, ist für uns ausschlaggebend geworden, um in die praktische Landwirtschaft zu gehen. Wir sind nicht blauäugig, sondern sehr überlegt, wir sind zufrieden ein körperlich anstrengendes Leben auf dem Land zu führen und wir sind glücklich, dass wir zu zweit diese Lebensweise verwirklichen wollen. Sowohl eine Neben- als auch Vollerwerbslandwirtschaft sind denkbar.
Wo
Am liebsten würden wir in der Nähe unserer Familien und Freunde bleiben, das bedeutet im südlichen Oberbayern: nördliche Grenze in etwa die A8 nach Salzburg, westliche Grenze wäre das Allgäu, östlich und südlich könnten es auch ein wenig nach Österreich hineingehen. Sollte jemand ein Grundstück in der Bretagne kennen, das in Meeresnähe liegt, wäre das ebenfalls eine realistische Option.
Finanzierung
Leider sind wir keine Millionäre – daher sind wir darauf angewiesen, dass entweder jemand unsere Idee eines nachhaltigen Hofs super cool findet und uns einen tollen Preis macht oder dass wir uns mit den bisherigen Besitzer*innen auf ein Leibrentenmodell oder eine Pacht einigen. Oder wir finden eine Stiftung oder ein alternatives Finanzierungsmodell, mit denen wir Land kaufen können oder es für eine Institution bewirtschaften. Ideen und Kontaktaufnahmen herzlich willkommen.
Weitere Ideen
Die Zusammenarbeit mit Schulen, die Belieferung einer Ökokiste, ein kleines Hofcafé, ein Stand auf Wochenmärkten, internationale Programme wie Wwoof (wordwide opportunities on organic farms), politisches Engagement für die Region – oder für ganz Europa im Bereich einer enkeltauglichen Landwirtschaft sind für uns denkbar!
Jetzt brauchen wir eure Hilfe
Bitte haltet die Augen und Ohren offen und meldet euch bei uns – auch wenn die Ideen für eine Hof-/Finanzierungsübernahme oder eventuelle Kontakte weit entfernt erscheinen. Jede kleinste Möglichkeit kann uns weiterhelfen und wir sind bereit all diesen Tipps zu folgen, um einen Hof in unserer Heimat oder Wahlheimat zu finden.
Vielen, vielen herzlichen Dank schon einmal an euch ALLE für alle Hinweise und Ideen und bis hoffentlich ganz bald auf unserem eigenen Bio-Hof!
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