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Was ich nicht vermisse

Hanni • 27. Juni 2022

Verkehr, Termine? Fehlanzeige

Neulich fragte mich eine liebe Besucherin, was ich hier auf der Alm vermissen würde. Zunächst war ich tatsächlich kurz sprachlos; denn auf den ersten Blick vermisse ich NICHTS.


Bei weiterem Nachdenken habe ich dann geantwortet, dass neben einer warmen Dusche, die wir haben, ein warmes Badezimmer, das wir nicht haben – wir duschen im Abspülraum mit stets geöffnetem Fenster – sehr nett wäre. Später habe ich dann aber tatsächlich noch etwas gefunden, das noch elementarer ist. Ich vermisse es, Zeit zu haben: jeden Tag so ein bis zwei Stunden, die nicht verplant sind mit Arbeit, Essen oder Schlafen. In denen man telefonieren, lesen, Serien gucken oder an diesem speziellen Ort einfach in die Natur blicken kann. Ich hoffe sehr, dass diese Zeiten noch kommen, wenn wir noch mehr Routine in den Arbeiten haben und wenn die Kühe über den Sommer weniger Milch geben (= weniger Zeit beim Melken, weniger Käseverarbeiten, weniger Käse drehen etc.).


Aber weg von der Themaverfehlung zu dem, was ich nicht vermisse.

Am wenigsten vermisse ich den Straßenlärm und den Anblick von Asphaltiertem. Wir leben hier auf dem Balkon der Ramsau, so bezeichnet es unsere Altbäuerin. Hinter uns der Gebirgszug der Reiteralm, vor uns der Blick auf das grüne, mit Höfen punktuell verzierte und von hohen Bergen im Hintergrund eingegrenzte weite Tal. Die Wege hier bestehen aus dem Kies, der sich aus der Erde gewaschen hat oder schlichtweg in Trampelpfaden, hier und da mit einem Kuhfladen dekoriert. Manchmal ist es eine so wohltuende Stille, wenn der Nebel in der Früh an unserer Alm vorbeizieht und es ist eine völlig andere, nicht stressende Geräuschkulisse, wenn man die Vögel zwitschern, die Kuhglocken bimmeln und den Wind über die Wiesen säuseln hört. Jeden Tag dann zweimal das Geräusch der Melkanlage pfütt-pfütt-pfütt. Am lautesten sind unsere Kühe beim Fressen. Sie glauben einfach nicht, dass JEDE JEDEN Tag dieselbe Ration im Eimer bekommt – da muss dringend bei der Nachbarkuh auch in den Eimer geschaut werden…


Was ist auch nicht vermisse, sind Termine. Keine Videokonferenz um 13:30 Uhr, kein Corona-Test-Termin um 17:15 Uhr, kein Abgabeschluss am Soundsovielten. Hier gibt es einfach nur das Notwendige zu tun – und das macht man so lange, bis man fertig ist. Wir müssen melken, käsen, abspülen, Stall putzen und dann Gäste bewirten. Bis das Melken wieder von vorne anfängt. Es ist kein Platz für Stress oder für Überlegungen, was man noch alles schaffen muss. Die Routine und die Notwendigkeit, die Dinge zu tun, fühlen sich für mich sehr viel weniger stressig an als das „man müsste dies und dies und dies noch schaffen“. Zum Abschied habe ich meinen Kollegen die Notizen von Johannes XXIII. geschenkt, zu den Regeln der Gelassenheit. Das Wohltuende für mich ist, dass ich sie hier nicht mehr brauche. Denn hier auf der Alm lebt man eben einfach jeden Tag für sich („Nur für heute“). Sich für das Melken am nächsten Tag zu stressen ist weder sinnvoll noch notwendig.


Das Schöne ist, dass ich Freunde und Bekannte auch nicht vermissen muss, denn sie kommen uns zahlreich besuchen und wir haben hier zusammen so einmalige Erlebnisse, dass wir uns daran sicher lange erinnern werden (Zelten im Lagerraum, die Verleihung der Goldenen Glocke, gemeinsames Käse-Einlegen und Kühe holen, Kochen und den Ausblick beim Essen genießen). Dazu aber mehr in einem der späteren Blogeinträge…


Der Artikel könnte noch viel länger werden, aber ich glaube auch, dass sich die Dinge, die man vermisst oder nicht vermisst in den nächsten Monaten sicher noch ändern werden. Also mal sehen, was wir im September vielleicht (nicht) vermissen :-).

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